Forschung

Hikikomori

Forschungsprojekt „Sozialer Rückzug in Familien – Homeless at home“

Das Projekt zielt darauf ab, zu erforschen, inwiefern das aus Japan stammende Konzept „Hikikomori“ dazu genutzt werden könnte, das Verständnis von und den Umgang mit einem extremen sozialen Rückzug von Erwachsenen in ihre Familien in Deutschland zu verbessern.

„When one mentions ‚hikikomori‘, the immediate image that comes to mind is a young Japanese man, who has isolated himself within a bedroom in his parents´ house for years on end, refusing to speak, interact, or even be seen by anyone – sometimes including his own family. Meals are brought to the door a few times a day, and garbage and other refuse are left out in return. He might have started off spending his time playing video games or chatting online, but those activities lost their charm long ago. He now simply stares off into space.
Hikikomori. The world of perfect isolation“

(Krieg 2014, S. 18).

Als extremer sozialer Rückzug (social withdrawl) wird eine Selbstisolierung von mehr als sechs Monaten verstanden, das heißt, Kontakte außerhalb der Familie bestehen nicht und es findet keine Teilnahme an sozialen Aktivitäten statt, Ausbildung und Arbeit eingeschlossen. Der soziale Rückzug ist bei einem primären Hikikomori nicht Symptom einer psychischen Störung, die Entstehung einer solchen wird aber mit Zunahme der Dauer des Rückzugs wahrscheinlicher. Bei einem sekundären Hikikomori ist davon auszugehen, dass eine psychische Störung wie eine Depression oder eine Angsterkrankung als Auslöser am Rückzug beteiligt ist. In beiden Fällen geraten auslösende und aufrechterhaltende Faktoren in den Fokus, die eine Untersuchung aus einer interdisziplinären Perspektive erforderlich machen:

Zum einen sind dies gesellschaftliche Aspekte wie Individualisierungstendenzen, Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, individueller Leistungsdruck und die Omnipräsenz medial aufbereiteter Inhalte, zum anderen aber auch familiäre und individuelle Faktoren. Inwieweit kann die Berücksichtigung dieser Aspekte sowie die Einnahme einer interdisziplinären Perspektive dabei helfen, Ursachen für einen extremen sozialen Rückzug in Familien zu verstehen, Interventionen zu verbessern und präventiv tätig zu werden? Welchen Nutzen können Erkenntnisse aus dieser Perspektive darüber hinaus für Fachkräfte haben, die mit Familien und Betroffenen arbeiten und für die Ausgestaltung von Einrichtungen und Angeboten des Gesundheitssystems und der Hilfesysteme?

Für die Beantwortung dieser Fragen muss zunächst ein Überblick erlangt werden, ob bzw. wie viele Menschen in Deutschland von diesem Phänomen als Familie oder selbst betroffen sind. Bislang gibt es dazu kaum Untersuchungen, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass „sozialer Rückzug“ ein in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen und meist ungenau verwendeter Begriff ist. Definition und Kriterien für die Verwendung des Begriffs sind auch in Japan nicht ganz einheitlich und Forschungsergebnisse zum Teil kaum zu vergleichen, da sich die Fragestellung in den jeweiligen Studien unterscheiden (Kato et al. 2016: 113).

Vorgehen: Durch eine standardisierte Online-Befragung werden zunächst Fachkräfte aus den Bereichen Beratung, Seelsorge, Therapie, sozialer Arbeit, Pflege, Medizin und andere zu ihren Erfahrungen und Beobachtungen mit dem Phänomen befragt, um eine Übersicht über dessen Relevanz und den Umgang damit in Deutschland zu erlangen. In einem zweiten Schritt sollen Betroffene und ihre Familie zu ihrem Alltag und zum Umgang mit der Situation interviewt werden.

Wenn Sie Interesse an weitergehenden Fragen oder am Mitwirken der Untersuchung haben, melden Sie sich gerne, wir freuen uns:
hikikomori@haw-hamburg.de

Ansprechpersonen:

Dr. Sabina Stelzig

Alexanderstraße 1, 20099 Hamburg
Tel.: 040-42857-7157
sabina.stelzig@haw-hamburg.de

Prof. Dr. Katja Weidtmann

Alexanderstraße 1, 20099 Hamburg
Tel.: 040-42857-7155
katja.weidtmann@haw-hamburg.de


Postmigrantische Familienkulturen in der Lenzsiedlung in Hamburg (POMIKU)

Das Verbundprojekt „POMIKU“ aus HAW Hamburg, Universität Hamburg und Lenzsiedlung e.V. richtet den Blick auf die Lenzsiedlung im Hamburger Bezirk Eimsbüttel. Das Quartier hat einen hohen Anteil an Familien und bietet – auch aufgrund vieler Bewohnerinnen und Bewohner mit Migrationsgeschichte – vielfältige Familienkulturen. Die Forscherinnen untersuchen, wie sich verändernde Kulturen von Familien mit und ohne Migrationserfahrung auf die soziale Kohäsion und das Zusammenleben im Quartier auswirken. Dabei nutzen sie zum einen eine Bandbreite an Methoden der empirischen Sozialforschung, zum anderen gehen sie beteiligungsorientiert an die Fragestellung heran.

Darüber hinaus werden Institutionen der Unterstützung und Beratung beforscht, die für und mit den Familien der Lenzsiedlung arbeiten. Innerhalb von Transferwerkstätten werden die Ergebnisse mit Akteuren der Sozial- und Familienberatung diskutiert und ergänzt, um Gelingensfaktoren für die Zusammenarbeit mit den Familien zu ermitteln. Die in POMIKU gewonnenen Resultate werden an die Praxis in den unterschiedlichen Hamburger Bezirken zurückgespielt.

Weitere Informationen

https://www.familienkulturen.de/

Flyer deutsch
Flyer english


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Workshop „Migration und Wertewandel/kultureller Wandel“
05. bis 06.11.2020

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Präsentation „Werte und Normen: ein analytischer Überblick“
A. Wonneberger, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Projekt POMIKU

Präsentation „Werte und Normen zu Migration, Familie und Religion – zum Umgang mit kultureller Differenz in einer Großwohnsiedlung in Hamburg“
A. Wonneberger, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Projekt POMIKU

Präsentation „Wertunterschiede als Konfliktherd und Integrationshindernis?“
C. Kuche/L. Fuchs, Georg-August-Universität Göttingen, Freie Universität Berlin
Projekt AFFIN

Präsentation „Einstellungen junger Männer mit und ohne Zuwanderungsgeschichte zu Gender und LSBTI in einer sich wandelnden, vielfältigen Gesellschaft“
K. Nowacki/K. Sabisch/S. Remiorz, Fachhochschule Dortmund
Projekt JUMEN


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Kontakt

HAW Hamburg
Ansprechpartnerin: PD Dr. Astrid Wonneberger
E-Mail: astrid.wonneberger@haw-hamburg.de
Tel.: 040-42875-7154

Universität Hamburg
Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Kristin Bührig
E-Mail: kristin.buehrig@uni-hamburg.de
Tel.: 040-42838-4775

Lenzsiedlung e.V.
Ansprechpartnerin: Annette Abel
E-Mail: pomiku@lenzsiedlungev.de
Tel.: 040-4309-6730